Abenddämmerung einer Kanzlerschaft

Kanzlerschaft, Kandidaten, Unterstützer und Rückzüge
Kandidaten, Unterstützer und Rückzügler

Ja, das hat gefetzt! Der Schlag ging gefühlt unter die Gürtellinie. Die beiden Landtagswahlen in Bayern und Hessen. Die auf Hochglanz polierten Rutschen haben die großen „Volksparteien“ in den Keller befördert. Das lässt schon eine Kanzlerschaft wackeln.

Kanzlerschaft ade?

Offensichtlich hat unsere „Staatsratsvorsitzende“ doch so viel Verstand oder Gespür, dass sie für sich beschlossen hat, ihr Umfeld mit einem scheibchenweisen Rückzug vom Schlachtfeld der Politik zu überraschen. Doch leider gibt sie mal wieder nur das preis, was ihr weniger wichtig ist: Der Vorsitz der Partei. Vermutlich glaubt sie, dass die Abgabe dieses Postens eher zu verschmerzen ist als die Aufgabe der Kanzlerschaft.

Wenn sie sich da man nicht verrechnet hat. Eine Starke Persönlichkeit an der Parteispitze kann für sie das verfrühte Aus bedeuten, wenn im richtigen Moment die Vertrauensfrage gestellt und die Kanzlerschaft abrupt beendet wird. Die drei Politiker, die sich sofort als Kandidaten für die Nachfolge zur Verfügung gestellt haben, heißen Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn und Friedrich Merz. Wer es sonst noch wagt, seinen Hut in den Ring zu werfen, werden wir zu gegebener Zeit wohl noch erfahren. 

Aber schauen wir uns die drei doch mal etwas näher an:

Annegret Kramp-Karrenbauer: Studierte Politologin, ehemalige Ministerpräsidentin vom Saarland. 1962 in Völklingen geboren, lieferte sie bisher eine lupenreine Berufslaufbahn ab, fand aber keine schillernden Erwähnungen in der Presse. Sie ist eine Anhängerin des Fair-Play, ansonsten aber eher spröde. Als Politikerin ist sie in den angesagten Themen vorbereitet. In ihrem jetzigen Amt als Generalsekretärin gilt sie als DIE Getreue der Kanzlerin. Die beiden Frauen sind sich in ihrer Denkweise doch sehr ähnlich. In der Presse liest man nur über ihre Äußerlichkeiten aber weniger über ihre Befindlichkeiten. Man kennt sie eigentlich nicht.

Daher die Frage: Kann sie sich an der Parteispitze profilieren und auch durchsetzen? Hat sie schon die dafür erforderliche politische Reife?

Jens Spahn: 1980 in Ahaus-Ottenstein geboren ist er heute ein junger Mann an der Spitze des Ministeriums für Gesundheit. Alles rund um das Thema Gesundheit und Pflege hat seine politische Karriere stets bestimmt. Seinen Ansichten zufolge wird er im konservativen Lager der CDU verortet. Sein bisheriges Arbeiten fand in der Tagespresse keine aufreißerische Resonanz. In seiner Position als Bundesminister hat er sich bis jetzt noch nicht durch bahnbrechende Thesenvertretung und Handlung hervortun können. Eine Profilierung steht bislang aus. Auch ihn, finde ich, kennt man zu wenig.

Daher auch hier die Frage: Ist er jetzt schon gefestigt genug, um sich an der Parteispitze zu profilieren und durchzusetzen?

Friedrich Merz: Ein Mann, 1955 in Brilon geboren, mit Karrierewillen, der es vorzieht, andere für sich sprechen und kämpfen zu lassen. So hat er immer eine direkte Resonanz seines Tuns in der Partei. Es hat schon Gesicht, wenn ein Wolfgang Schäuble Merz bereits seit geraumer Zeit in seinem Bestreben zum Vorsitz in der CDU und zur Kanzlerschaft unterstützt. Er ist nicht nur ein gewiefter Politiker, sondern auch, im Gegensatz zu anderen, in der Wirtschaft zuhause. Er lenkt im Fonds „Black Rock“ die Geschicke mit und verdingte sich vielerorts in Aufsichtsräten. Er ist ein Transatlantiker und war m.E. auch schon Gast bei den Bilderbergern.

Die Frage: Kann er den „Vorsitz in der CDU“? Ja, das ist ihm von den Fähigkeiten her zuzutrauen. Traut man ihm am ehesten zu, die Vertrauensfrage in Bezug auf die Kanzlerschaft von Angela Merkel zu stellen? Ja, auch das. Könnte er auch Kanzler? Ja, auch das könnte er. Gibt es eventuell eine Befindlichkeit warum er sich, trotz guter Posten in der Wirtschaft, in die Politik zurückmeldet? Ja, möglicherweise sein von Angela Merkel inszenierter früherer ungewollter Abgang aus Fraktion und Bundestag.

Ist er aber auch der Richtige für die Neuausrichtung der CDU? Wer weiß das schon? Armin Laschet, der Ministerpräsident von NRW, jedenfalls hat nach einem Gespräch (Deal?) mit Merz schon seine Kandidatur zurückgezogen.

Der Parteitag wird es zeigen

Bis zum Parteitag im Dezember dieses Jahres ist es ja noch eine Weile hin. Wir alle dürfen gespannt sein wer noch den Mut hat, sich in den Wahlkampf zu begeben. Genau genommen braucht die CDU ein völlig neues Gesicht mit ähnlichen Anlagen wie Ralph Brinkhaus, überraschend zum Fraktionsvorsitzenden gewählt und Nachfolger von Volker Kauder. Es muss jemand sein, der auch für eine neu ausgerichtete Kanzlerschaft in Frage kommt.

Auf jeden Fall sage ich: 

Ring frei!