Säbelrasseln auf allen Ebenen

Säbelrasseln
Säbel

Es ist einfach unglaublich wie leichtfertig Politiker mit dem Mund und die Journaille mit der Schreibfeder Menschenleben auf’s Spiel setzen. Das Säbelrasseln erfährt augenblicklich die x-te Renaissance. Prinzipiell sollten alle schon allein aus der näheren Geschichte gelernt haben, dass ein derartiges Verhalten einem Ritt auf der Rasierklinge gleicht. Aber hundert Jahre sind wohl zu lange und erst recht siebzig Jahre Frieden, um sich erinnern zu können, geschweige denn Vergleiche anzustellen.

Nachdem nun Heiko Maas zur Attacke auf Syrien geblasen hatte, hat seine Chefin militärische Aktivitäten dort ausgeschlossen. Kaum einen Atemzug später stellte sich Angela Merkel hinter die Allianz USA/England/Frankreich und gab ihre Unterstützung bekannt. Ja, wie jetzt? Wie diese Unterstützung in Zukunft aussieht hat sie nicht bekanntgegeben. Aber unser BW-Schiff ”Hessen” ist schon einmal die Begleitung des Trosses der Allianz im Mittelmeer.

Säbelrasseln der kriegsgeilen Schreiberlinge

Während nun die Macher der Allianz einen gezielten Schlag auf angebliche Giftgasfabriken von Assad unternommen haben, überschlägt sich die Journaille und bläst kräftig zum Halali:

  • Die ”Welt” fordert in Goebbelsmanier die Auslöschung des Assad-Regimes.
  • Die ”Zeit” will, dass der Einsatz von Giftgas nicht ohne Folgen bleibt.
  • Die ”FAZ” stellt sogar eine Art Nazivergleich im Hinblick auf Assad an.
  • Die ”taz” ist da etwas weniger offensiv, will aber auch, dass der Westen im Nahen und Mittleren Osten die Oberhand über diese rohstoffreiche und strategisch wichtige Region behält. 

Dabei ist dieser sogenannte Erstschlag der Allianz nichts weiter als das Wildwestverhalten der USA: ”Shoot first – talk later” (Erst schießen – dann reden). Das ist völkerrechtswidrig und infam, zumal es bislang keinerlei Beweise dafür gibt, dass Assad das vermeintliche Giftgas eingesetzt hat, geschweige denn dass dieser Anschlag überhaupt stattgefunden hat. Hier träfe ein Säbelrasseln in Form einer Forderung aus der hiesigen Politik, dieser Erstschlag dürfe nicht ohne Folgen bleiben, genau die Richtigen.

Russlandkröte nicht zu schlucken

Es bleibt bei diesem ganzen Aktionismus dem Beobachter mit offenen Augen nicht verborgen, dass über die Figur Assad der russische Bär anvisiert ist, der leider bislang die Beseitigung Assads  erfolgreich verhindert hat. 

Das ist der Allianz ein Dorn im Auge. Hat Russland doch letztens davon gesprochen, kompromittierende Dossiers von Personen der Öffentlichkeit, insbesondere englische Parlamentarier, in Händen zu halten, die der Veröffentlichung bald zugeführt werden sollen. Aus Angst davor hat nun England beschlossen, Cyberattacken gegen den Kreml durchzuführen. 

Die Agitationen gegen Russland nehmen also immer bizarrere Formen an. Wir erinnern uns, dass die Giftgeschichte um Skripal noch nicht ausgestanden ist. Auch hier Anschuldigungen ohne jegliche Beweise. Selbst ein unabhängiges Labor in der Schweiz weist die These, es handele sich um Substanzen aus Russland, zurück, sondern identifizierte einen Teil des Stoffes aus NATO-Beständen stammend.

Während dieses unsäglichen Säbelrasselns meldet sich unser standhafter Außenminister im Konfirmationsanzug noch einmal zu Wort und meint, nach dem Erstschlag der Allianz gegen Syrien müssten, Tenor, keine weiteren Angriffe folgen, sondern das Gespräch gesucht werden. Ja, geht’s noch? Hat der Ami und Konsorten je auf die Worte aus Deutschland gehört?

Dekadenz ist schon komisch

Bei allem Kriegsgeplänkel und Säbelrasseln gibt es im Schatten aber auch Dekadenz, die aus der grünen und linken Ecke nicht unbeachtet bleiben sollte. Der grüne Justizsenator in Berlin, Dirk Behrendt, stellt vor die dringende Aufgabe, die Berliner Justiz auf Vordermann zu bringen, die Forderung nach Unisex-Toiletten, die Freigabe von Cannabis und andere Verrücktheiten, die nicht in sein Ressort fallen. Eben grün. Man mischt sich in Sachen, die einen eigentlich gar nichts angehen. Dafür will er die gut und überfüllten Gefängnisse entlasten und Häftlinge vor Ende der zu verbüßenden Zeit entlassen. Damit braucht er dann auch nicht der Forderung nach neu zu bauenden Gefängnissen nachzukommen.

Da drängt sich mir doch der Vergleich zu den Magreb-Staaten auf, in denen die Gefängnisse geöffnet wurden, um sich des Abschaums der Gesellschaft zu entledigen. Den Abschaum haben wir jetzt hier. Nun wird dieser Abschaum wieder aus den Gefängnissen entlassen. Doch es gibt einen kleinen Unterschied: Der Abschaum bleibt hier und geht nicht zurück in die Magreb-Staaten.

Als nächstes kommt der FDP-Fraktionsvize Michael Theurer mal wieder aus dem Knick von Kramp-Karrenbauer. Er will die Bundesländer, wie von der damaligen Saarländischen Ministerpräsidentin vorgeschlagen, neu gliedern und zusammenschließen.

Nun fährt unser kluger, friedensstiftender Bundesaußenminister mit dem Säbelrasseln fort: Die Entscheidung, was mit Syrien geschehen soll, kann nach seiner Ansicht nur ohne Assad gefällt werden. Heißt ’wir reden erst, wenn wir Assad weghaben’.

Was für ein Durcheinander! Hab Acht! Es könnte dazu dienen, dass Brüssel im Schatten des Weltgeschehens weiter daran arbeitet, Deutschland weiterhin auszusaugen. Alle Augen also nach Brüssel!