Rente is sischer! Sagte Dr. Norbert Blüm

Rente reicht nicht
Rente reicht nicht

Ich sehe es, als wäre es gestern gewesen: Von vielen Litfaßsäulen und auch von allen exponierten Stellen prangte uns der Text ”Die Rente ist sicher” entgegen. Es wurde sogar ein Foto veröffentlicht, auf dem Blüm zu sehen ist wie er auf einer Leiter stehend dieses Plakat selbst anzukleben scheint. Dieses Foto und dieser Text haben sich in die Gehirne der damals 40jährigen und älteren Bürger eingebrannt. Inzwischen wissen auch die jüngeren nachgewachsenen Bürger, diesen Ausspruch einzuordnen. Sie wissen zwar nichts über die Stimmung von damals anlässlich der anstehenden Rentenreform, kennen aber inzwischen den bitteren Beigeschmack, der dem Wort Rente anhaftet.

Nun hat Herr Dr. Blüm heutzutage mit der Entwicklung der Rente nicht mehr viel am Hut. Er kann seine schmale Pension aus der Zugehörigkeit zur Gruppe der politischen Entscheider durch Auftritte in der Öffentlichkeit aufbessern und kommt mit den Erlösen dann eben auch so leidlich über die Runden.

Die Rente auf der Schlachtbank

Die Entwicklung des Rentenniveaus seit der Einführung der Rente will ich hier nicht näher erläutern. Fakt aber ist, dass die damals bis 1997 zugedachte Höhe, nämlich 70% des letzten Nettoeikommens damit begründet wurde, dass der Rentner im Alter ja nicht mehr so hohe Kosten hätte wie während des Arbeitslebens. Diese Argumentation endete mit der Aufzählung der Einsparungen von z.B. Fahrtkosten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte, Essen außerhalb des Hauses, Berufskleidung usw. usf.. Dass das wirklich 30 % ausmacht, sei einmal dahingestellt. Die Bundesregierung hat jedenfalls damals, 1997, beschlossen, das Rentenniveau abzusenken, um die demografische Entwicklung abzufedern.

Die Tatsache, dass das Rentenniveau mittlerweile kontinuierlich weiter ohne großes Aufhebens in der Öffentlichkeit auf heute ca. 44,2% gesunken ist und bis 2045 auf 37,8 % sinken soll, so der verkündete Plan der Bundesregierung, hat komischerweise nicht einmal den Hauch eines Protestes oder sogar ein Wort der Entrüstung seitens der künftigen Rentner, geschweige denn eine Einzel- oder Sammelklage, vielleicht sogar über eine der Verbraucherzentralen, hervorgerufen.

Das Arbeitsministerium sogar leugnet die Existenz der Altersarmut. Das ist nicht nur ein Schlag, sondern ein gewaltiger Tritt mitten ins Gesicht der Menschen heute und in Zukunft im wohlverdienten Rentenalter.

Es ist ein Affront gegen die Gemeinschaft der Zwangsabgeber. Immer weniger Leistung für in etwa gleichbleibende Beiträge. Noch einmal klargestellt: Es sind keine Zinsen, die hier beschnitten werden. Es sind die Leistungen aus der Rente, also die Rentenauszahlungen, die mittlerweile überbezahlt worden sind. Das nenne ich Abzocke. Nicht einmal in der privaten Versicherungswirtschaft, die ja bekanntermaßen keinen guten Ruf genießt, werden Leistungen in dieser Art gekürzt. Die falsche Familien- und Lohnpolitik, sowie verschiedene andere Fehlentscheidungen und Fremdfinanzierung aus der Rentenkasse haben uns unsere Volksverräter mit einem Lächeln auf den Lippen eingebrockt. Der blöde Arbeitnehmer muss nun die Suppe auslöffeln. 

Dabei wäre es ein Leichtes, die gesetzliche Rentenversicherung komplett zu streichen, die verbleibende Rente der jetzigen Rentner über die Steuern zu finanzieren und den Arbeitnehmer zu verpflichten, mindestens den aktuellen Beitragssatz für die noch gesetzliche Rentenversicherung ( insgesamt 20 % aus dem Bruttolohn), zu 50% vom Arbeitgeber subventioniert, in eine andere Form der Rentenversicherung einzuzahlen. Das könnte über das System der betrieblichen Altersvorsorge passieren und sie wäre nicht beleihbar bzw. im Vorwege auszahlbar. Das Mehr über den gesetzlichen Beitrag hinaus kann der Arbeitnehmer heute nach wie vor selbst bestimmen. Die Versicherungsverträge allerdings, die der Bildung einer Rente dienen, müssen kostengünstig abgeschlossen werden und bestimmte Kriterien zu Gunsten des Begünstigten enthalten. Die Verwaltung des Kapitals muss mündelsicher sein.

Diese Art der Altersvorsorge hat mehrere Vorteile, gerade für den Begünstigten: 

  • Der Begünstigte finanziert seine Rente selbst
  • Er muss nicht andere mitfinanzieren
  • Der anzusparende Vertrag ist, wie heute bereits bei der betrieblichen Altersvorsorge, steuerbegünstigt
  • Das eingezahlte Kapital kommt ausschließlich dem Begünstigten zugute
  • Die Verwaltungskosten werden moderat kalkuliert und sind steuerlich absetzbar
  • Der Begünstigte kann seine künftige Rente selbst bestimmen und weiß deshalb auch von vorn herein wieviel Geld er nach einer Mindestlaufzeit/Einzahlungszeit von 20 Jahren oder später erhalten wird
  • Der Staat und deren Regierungen haben keinen Zugriff auf das Kapital aus den personenbezogenen Versicherungsverträgen zur Rente
  • Es können deshalb auch keine Fremdfinanzierungen daraus vorgenommen werden

Diese Möglichkeit der Rentenfinanzierung hat nicht den Anspruch der Ausgereiftheit. Aber es ist ein erster Schritt weg von der Misswirtschaft in der Regierung/Rentenanstalt.

Eine wesentliche Voraussetzung für dieses neue Rentensystem ist jedoch, in der breiten Masse das Lohnniveau anzuheben. Von durchschnittlich rund 200 Euro monatlichen Beitrags kann man keine Rente aufbauen. Und mehr ist nicht drin, wenn man hier einen Durchschnittslohn von etwa 1200 Euro ansetzt; Ein Monatseinkommen, das leider viel zu häufig vorkommt. Das ist auch ein Grund, warum die betriebliche Altersvorsorge und sogar die Riesterrente nicht die gewollte Akzeptanz in der breiten Bevölkerung findet, was die Fettwänzte in den Ministerien in Erstaunen versetzt.

Möge das oben beschriebene oder ein anderes faireres Rentensystem die Einführung finden.

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