Legale Schnüffelei in den Bankkonten

Legale Schnüffelei in den Bankkonten
Die Vermögen sind offen zugänglich

Ab morgen, Samstag, dem 13. Januar 2018 ist legale Schnüffelei in den Bankkonten per Gesetz geregelt. Natürlich von EUs Gnaden.

Das Payment Service Directive (PSD, 2007/64/EC), das die EU-Kommission seit Anfang der ersten Dekade dieses Jahrhunderts in der Mache hatte, ist am 25. Dezember 2007 mit endgültig angenommenem Text in Kraft getreten. 2009 wurde diese Direktrive aktualisiert (EG-Verordnung 924/2009) und danach noch einmal 2012 (EU-Verordnung 260/2012). 2015 erfolgte eine weitere Anpassung an den sich entwickelten Zahlungsverkehrsmakt (EU 2015/2366), hier nun kurz PSD II genannt, das jetzt um die legale Schnüffelei in den Bankkonten erweitert wurde. PSD II ist nun innerhalb 18 Monaten von den Mitgliedern der EU in nationales Recht umzusetzten. Deutschland ist in diesem Fall, wie soll es anders sein, weitestgehend vorn dabei.

Grundsätzlich war die Idee, den nationalen und internationalen Zahlungsverkehr einheitlich transparenter und kundenfreundlicher zu gestalten, eine gute Idee. Die Gebühren haben sich weitestgehend angeglichen und die Banken sind dazu verdonnert worden, die Gutschriften der Überweisungen im Eintagesrhythmus vorzunehmen, statt bis zu drei Tagen – früher manchmal auch länger – mit den im System stehenden Geldsummen im Rahmen von Tagesgeld beträchtliche Gewinne einzustreichen. Andere Vorteile für den Bankkunden kann man auf der Webseite der Deutschen Bundesbank nachlesen.

Allerdings schreibt die Deutsche Bundesbank, dass der Verbraucher nun einen besseren Schutz genieße. Das mag wohl einerseits so sein. Doch die andererseits umständlicher gewordenen Zahlungsmöglichkeiten im Onlinehandel dürften künftig so manchen potentiellen und auch Stammkunden von dem Abschluss des Auftrages abhalten.

Die nun legale Schnüffelei in den Bankkonten geht m.E. zu weit, was auch schon des öfteren in den Medien von Leuten, die in diesem Thema fit sind, kritisiert wurde. Zwar müssen die Anbieter die Einsicht in die Konten, und zwar 90 Tage rückwirkend, sich vom Kunden erlauben lassen und eine Genehmigung bzw. Lizenz bei der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) einholen, aber die Gefahr, die sich m.E. daraus ergibt, ist das sogenannte ”Cross Selling”, also die Möglichkeit, aus dem Wissen um die finanzielle Situation des Kunden und auch sein Kaufverhalten weitere Geschäfte zu generieren. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie viele Spam-Mails – außer denen, die sowieso schon wie eine Schwemme daherkommen -, sowohl elektronisch per E-Mail oder per Briefpost, demnächst losgejagt werden. Alles gutgemeinte Angebote!

Bezüglich der legalen Schnüffelei in die Bankkonten ist es dem Kunden natürlich freigestellt, die Erlaubnis zu erteilen oder nicht. Bei einer Weigerung sollte der Kunde allerdings bedenken, dass dann sein Auftrag höchstwahrscheinlich nicht ausgeführt wird. In diesem Fall bleibt dann nur noch der Barkauf irgendwo vor Ort, denn auch die Kartenzahlung gibt ja heute schon hinreichend Möglichkeiten, die Kaufgewohnheiten eines Menschen nachzuvollziehen. So ist das eben!

Wer also in letzter Zeit Nachrichten von seiner Bank bezüglich Änderungen der Geschäftsbedingungen erhalten hat, der sollte dieses Mal tunlichst genau hinschauen und wirklich in Ruhe lesen.

Quellennachweise:

https://de.wikipedia.org/wiki/Payment_Services_Directive

http://www.epochtimes.de/politik/de

https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2018/amazon-und-google-erhalten-einblick-auf-private-kontodaten/

http://www.fr.de/leben/recht/payment-service-directive-neue-regeln-im-zahlungsverkehr-was-auf-bankkunden-zukommt-a-1421920

https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Fachartikel/2016/fa_bj_1603_zweite_zahlungsdiensterichtlinie.html

https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Dossier/Aufgaben/inhalte_der_sepa.html?notFirst=true&docId=25928

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