Einlagensicherung war gestern

Draghis Sau
Die arme Sau

Bevor wir uns dem modernen/maroden Bankenwesen widmen, schnell ein Crashkurs zur Geschichte und dem Entstehen der Einlagensicherung.

Zu Marco Polos Zeiten und der Entwicklung der Seidenstraße zwischen China und Europa gab der Staat noch Zertifikate aus mit dem Versprechen, dass der Inhaber dieses Papieres im anderen Land den Gegenwert des im Heimatland hinterlegten Goldes ausgehändigt bekommt und der Heimatstaat des Papierinhabers für den Ausgleich sorgt.

Als man später neben den edelmetallenen Münzen auch Papiergeld einführte stand hinter den aufgedruckten Werten immer noch edelmetallener Gegenwert, den der Staat unter Verschluss hielt.

Vor etwa 400 Jahren entstand die erste Sparkasse mit dem Zweck, dass die Menschen ihr Geld sicher aufbewahren konnten. In relativ kurzer Zeit folgten weitere Sparkassen, wobei die 1778 in Hamburg gegründete ”Ersparungskasse” als die erste wirkliche Sparkasse gilt.

Die Sparkassen entwickelten sich rasch und bauten ihre aus heutiger Sicht banktypischen Aktivitäten aus, wozu auch der Zahlungsverkehr zwischen den Instituten gehörte.

Zu dem Kundenkreis der Sparkassen gehörten überwiegend Menschen aus der Mittel- und Unterschicht, was die Sparkassen letztendlich bewog, sich in einem Sparkassenverband zusammenzuschließen und Regeln aufzustellen, damit die Kunden einen sicheren Umgang mit ihnen hatten. Das ging soweit, dass die Sparkassen sich dazu verpflichteten, nur solche Geschäfte zu tätigen, die die ihnen anvertrauten Kundengelder, also die Spareinlagen, nicht gefährdeten. Von da an galten die dem Sparkassen- und Giroverband angehörenden Institute als ”mündelsicher”. Das hatte zur Folge, dass Vermögensverwalter das Vermögen der ihnen anvertrauten Mündel von Amts wegen nur bei der Sparkasse anlegen durften.

Das Verhalten der Sparkassen bei ihren Geschäften kann man als erste Einlagensicherung verstehen, weil die Sparer praktisch eine Rückzahlungsgarantie ihrer Einlagen hatten.

Seit August 1998 ist das Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz in Kraft. Es gilt für alle Geldinstitute, auch für die übrigen europäischen. Hierin wurde festgeschrieben, dass die Anleger eine Rückzahlungsgarantie in Höhe von 100.000,00 Euro haben. Damit wurde die Mündelsicherheit der Sparkassen erstmalig untergraben.

In Anbetracht des heutigen schlechten Zustandes der meisten Geldinstitute (außer den Sparkassen – noch), wovon die meisten durch das Halten von faulen Krediten in den Bilanzen und deren Überbewertung eine Haushaltsschieflage verursacht haben und damit eine Insolvenz bzw. einen Konkurs verschleppen (beides fällt unter den Begriff ”Wirtschaftskriminalität” und ist somit strafbar), hat nun die EZB am 08. November 2017 ein 58-seitiges Papier herausgebracht, das es in sich hat: Neben anderen Gemeinheiten schlägt die EZB vor (deutsche Übersetzung):

„gedeckte Einlagen und Forderungen im Rahmen von Anlegerentschädigungssystemen sollten durch begrenzte Ermessensausnahmen ersetzt werden, die von der zuständigen Behörde zu gewähren sind, um eine gewisse Flexibilität beizubehalten.“ 

Mit anderen Worten: Das erst so junge Einlagensicherungsgesetz wird demnächst kassiert, der Sparer, der dem Geldinstitut sein Geld in der Form einer Spareinlage geliehen hat, hat nun seinerseits einen faulen Kredit in seinen (Spar)Büchern.

Um dem möglichen Aufschrei in der Bevölkerung vorzubeugen, hat man folgendes Konstrukt ersonnen:

… während einer Übergangszeit sollten die Einleger innerhalb von fünf Arbeitstagen nach einer Aufforderung Zugang zu einem angemessenen Betrag ihrer gedeckten Einlagen haben, um die Lebenshaltungskosten zu decken.

Heißt, dass im Falle der Pleite eines Geldinstitutes nach dessen Schließung erst einmal eine Behörde gefunden werden muss, die autorisiert ist, die Art und Weise, sowie die Höhe der Auszahlungen festzulegen. Und ob das in fünf Arbeitstagen zu bewältigen ist, bleibt noch dahingestellt. Außerdem heißt „gedeckte Einlagen“, dass nur ausgezahlt werden kann, wenn auch das Geld digital oder physisch tatsächlich in der beabsichtigten Abhebehöhe bei dem Pleitekandidat zur Verfügung steht.

Einlagensicherung und Verbraucherschutz ADE.

Ich bin auf die Weiterentwicklung sehr gespannt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.