Diesel and Dust. Oder: Die halbgaren Mobilitätspläne

Dieser Artikel bezieht sich auf Jessica’s Kommentar zum etwas weiter unten veröffentlichten Artikel von Heidrun zum Thema Diesel. Ihre abschliessende Frage war: Warum denkt denn niemand in diese Richtung?

Einige Hersteller denken und bauen ja alternativ. Ich erinnere Pressemeldungen, wonach BMW und Ford bereits vor über zehn (?) Jahren vorpreschten — Ford hatte eines seiner Volumenmodelle gar komplett serienreif. Nur soll der Druck seitens hiesiger Mitbewerber so hoch gewesen sein, dass Ford das Modell dann doch nicht auf den Markt brachte.

Auffällig, dass es offenbar exakt diese Mitbewerber sind, die heute Kunden, Volk und damit unsere Umwelt belügen und betrügen, indem sie all diese verlogene Meßwert-Software etc. verbauen.

Dann die Sache mit der Deutschen Post und Elektromobilen: Auf deren Anfrage bei Herstellern kam angeblich aus Wolfsburg und Stuttgart ausser Ablehnung nichts. Daraufhin entwickelten sie mit einer ausgelagerten Abteilung der Uni Aachen (?) eigene Modelle („Streetscooter“), die nun längst auf den Strassen zu sehen sind. Und wie zu hören ist, sei man zumindest in Wolfsburg deswegen sauer.

Auch in der nächsthöheren Klasse (also klassische Transporter) kam aus Richtung dieser Hersteller offenbar wieder nichts. Die Post tat sich also mit Ford zusammen und sie bauen einen grossen Transporter („Transit“) mit reinem Elektroantrieb, dessen Serienfertigung gerade begonnen hat. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der Ford Transit seit Jahren (also als Diesel) das wohl Beste ist, was man bei Transportern bekommen kann: geringstes Eigengewicht, höchste Zuladung, bequemster Ein-/Ausstieg, beste Fahrerkabine und ein enorm niedriger Verbrauch. An die guten Verbrauchswerte, die ich mit Ford Transits schaffte, kam kein Modell eines Mitbewerbers je ran. Nicht mal annähernd. Mithin dürfte die Kooperation von Deutscher Post und Ford eine gute Sache sein.

Thema Wasserstoff: In Hamburg fahren seit Jahren diverse Linienbusse mit diesem Antrieb (man denkt, es schippert ein Dampfer vorbei, weil immer weißer Dampf oben aus den Auspuffen kommt), und z.B. bei Hyundai kann man längst ein solches Pkw-Modell kaufen („iX35 Fuel Cell“). Optisch leider nicht attraktiv, dafür extrem teuer.

Das bundesweite Netz der Wasserstoff-Tankstellen ist sogar noch dünner als das der Elektro-Ladestationen. Und von diesen E-Ladestationen scheinen ja (einem TA-Bericht zufolge) einige nicht mal in Betrieb — oder nicht kompatibel zu allen Elektro-Fahrzeugen (oder sie sind zugeparkt). Kurz: eigentlich sind sie gar nicht da. Scheint aber nur wenige zu kümmern.

Dazu kommt noch die Rechenaufgabe, ob und ab welchem Zeitpunkt (oder km-Leistung) sich diese Mehrausgaben überhaupt rechnen, falls sie es überhaupt mal tun — und natürlich auch die Frage, ob Elektro-Antriebe tatsächlich umweltschonender sind als z.B. moderne Diesel. Schliesslich wird die Produktion (und die spätere Entsorgung) all dieser Batterien und Akkus ja ebenfalls jede Menge Schadstoffe produzieren.

Es scheint also noch immer so: tatsächlich alltagstauglich sind bisher offenbar lediglich Hybrid-Modelle, also die Kombination aus Verbrenner und Elektro-Antrieb. Dazu muss man Gott sei Dank nicht mehr mit grottenhässlichen Auswüchsen wie diesem „Toyota Prius“ durch die Gegend fahren, denn „Hyundai Ioniq“, „Kia Niro“ (und der bisherige „Opel Ampera“) sind ja (vor allem im Vergleich zu dieser Toyota-Kreatur) durchaus ansehnlich. Mit dem ebenfalls gut aussehenden „Kia Optima Sportswagon Hybrid“ ist auch endlich ein Kombi erhältlich.

Trotzdem bleiben offene Fragen, die nicht nur die reinen Elektro-Autos, sondern auch die Hybrid-Modelle betreffen:

Wie soll Strom in die Autos, wenn deren Nutzer in Mehrfamilienhäusern wohnen? Liegt dann abends der Bürgersteig voll mit Stolperfallen in Form von Kabeln? Und wie viele dieser Kabel würden nicht geklaut bzw. wessen Strom würde nachts nicht von anderen heimlich abgezapft?

Wie wird unsere durchaus fragile Stromversorgung überhaupt reagieren, wenn nach Feierabend plötzlich eine Flut von Autos gleichzeitig ans Stromnetz gehängt wird?

Werden die „Grün_*innen“ kräftig pusten, damit die Windräder sich mehr drehen? „Fragen!“ Und wird dann noch viel mehr unseres Windrad-Stroms wie gehabt ins Ausland verschenkt, damit man das Volk mit noch höheren Stromrechnungen ausquetschen kann?

Und dann sind da noch diverse Wohnviertel in Großstädten, die komplett (!) zugeparkt sind, weil der öffentliche Raum zusätzlich mit Wohnmobilen, Zweitwagen und Wohnanhängern voll gestellt wird, anstatt dafür separate Stellplätze anzumieten: „Der Mensch, der mir am nächsten ist, bin ich, ich bin ein Egoist“ (Songtext Falco). Also: Wie viele Kabeltrommeln sollen die Nutzer von Hybrid- und Elektro-Autos jeden Feierabend um wie viele Stassenblocks schleppen, weil sie vor der Tür keinen Parkplatz finden?

Infos und Bildmaterial zu den o.g. ansehnlichen Hybridmodellen gibt es u.a. hier auf den Webseiten der Hersteller: http://www.hyundai.de/Modelle/IONIQ-Hybrid.html , http://www.kia.com/de/modelle/niro/ und http://www.kia.com/de/modelle/optima-sw-phev/ . Übrigens war „Diesel and Dust“ der Name eines Albums der australischen Rockband Midnight Oil (von 1987), u.a. zum Thema Umweltfragen und Besitzansprüchen von Ureinwohnern…

 

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