Diesel im Rampenlicht der Politik und Medien

Schiff, LKW, Rakete, Tanksäule
Symbole für die Verwendung von Treibstoff

Nach den von Nikolaus August Otto erfundenen Zweitakt- und Viertaktmotoren (1860/1876) wurde 1893 von Rudolf Diesel der sog. Dieselmotor entwickelt und patentiert. Es gab diesen Motor ebenfalls sowohl als Zwei- als auch als Viertaktmotor. Durchgesetzt hat sich nachhaltig die Viertaktvariante.

Zunächst fand der Dieselmotor hauptsächlich Verwendung in, zunächst, Binnenschiffen (1903) und ab 1912 auch in Lokomotiven. 1922 bekam der erste Ackerschlepper von Benz-Sendling, der Typ 6, diese Antriebsart. 1923 bauten MAN, Benz & Cie. und die Daimler-Motoren-Gesellschaft die ersten LKWs mit Dieselantrieb.

Bis 1930 blieb die Verwendung dieses Antriebs auf die oben beschriebenen Transport- und Arbeitsmittel beschränkt. In diesem Jahr präsentierte ein Hersteller in den USA den ersten PKW mit Dieselmotor, der jedoch nicht in Serie ging, ebensowenig wie der 1933 von Citroen vorgestellte ”Rosalie”.

Erst 1933 gelang der Durchbruch für Diesel-Serien-PKWs mit den Produktionen von ”Mercedes-Benz 260D” und ”Hanomag Rekord”.

In den Jahren bis heute schritt die Entwicklung stetig voran. Zunächst aber fristete der Diesel eher ein Nischendasein, wurde also von PKW-Käufern nur mäßig angenommen. Er hatte den Ruf einer ”lahmen Ente” und wurde eher eben mit LKWs, Loks und, vor allem, mit der Landwirtschaft in Verbindung gebracht. Denn sehr viele, wenn nicht die meisten, Bauern im Westen fuhren z.B. einen Mercedes 200D, der vorzüglich günstig mit dem niedrig besteuerten Heizöl betrieben werden konnte, bis die Politik durch Einfärbung des als teurer besteuerten Dieselkraftstoff verkauften Heizöls dem ”Missbrauch” ein Ende setzte.  Speziell der Mercedes 200D aus den 60er/70er Jahren war ein Modell, das in den Jahren 1968 bis 1976 gebaut wurde und den Beinamen ”Bauernkarre” trug. Dann, in den letzten 20 Jahren des letzten Jahrhunderts wurde der Diesel-PKW endlich salonfähig und startete mit immer besser werdender Technologie durch.

Im Laufe der Jahre begann mit den ”Grünen” dann die politische Diskussion um die Abgaswerte. Die Schrauben der Abgasnorm wurden immer weiter angezogen, bis heute zur Norm 6.

Parallel dazu entwickelte sich der Export deutscher Dieselfahrzeuge in die USA enorm. Sie waren dort beliebter als die einheimischen, da die Technologie der USA bis heute weit hinter der deutschen hinterherhinkt.

Inzwischen wird der Diesel als Bewegungsantrieb verteufelt, wie die Diskussion und der Richterentscheid um ein Fahrverbot, etwa in Stuttgart, zeigt. Das kommt wahrscheinlich nicht von ungefähr. Mit dem VW-Diesel-Manipulationsskandal, der in den USA seinen Anfang nahm, bis hin zu Repressalien — nun auch gegen die übrigen deutschen Autohersteller — hat diese derzeitige Diskussion weite Kreise gezogen.

Die Autoindustrie bildet einen enorm wichtigen Eckpfeiler der deutschen Wirtschaft und Steuerbringer. Daher ist es um so unverständlicher, dass der sog. Diesel-Gipfel in den vergangenen Tagen keine wirklichen Ergebnisse zur Lösung des Problems um den Schadstoffausstoß ergeben hat. In die Kerbe der Geißelung des Diesel haut nun auch die Politik willfährig mit ein, obwohl klar sein dürfte, dass mit der Schwächung dieses wichtigen Industriezweiges die angeblich boomende Wirtschaft einen bedeutenden Einbruch erleben wird, wenn nicht sogar der Anfang vom Ende sein kann.

In einem Artikel des n-tv ist u.a. folgendes Paradoxon zu lesen:

….Es ist kaum zu glauben, aber wahr: Die 15 größten Seeschiffe der Welt stoßen jährlich mehr schädliche Schwefeloxide aus als die ganze Pkw-Flotte der Welt. Und: Laut Naturschutzbund (Nabu) schafft kein einziges der luxuriösen Kreuzfahrtschiffe die Abgasnormen, die für Autos oder Lastwagen schon lange gelten. Ein einziger Ozeanriese auf einer Kreuzfahrt stößt so viele Schadstoffe aus wie fünf Millionen Pkw auf gleicher Strecke, 200 Kreuzfahrtschiffe nehmen es also mit der gesamten Pkw-Flotte der Welt auf. Laut Weltenergiekonferenz emittieren die 400 größten Containerschiffe der Welt so viel C02 wie alle Pkw der Welt zusammengenommen. Es gibt also viel zu tun, aber eben nicht nur für die Autoindustrie……

Der Artikel auf notopia geht noch mehr auf Details ein, z.B. auf die gesundheitliche Belastung der Anwohner von Häfen.

Da drängt sich die Frage auf: Warum beginnt die Politik nicht dort, wo das Ausstoß-Problem am größten ist? Es wurden in Hamburg in den letzten Jahren an die Politik Beschwerden gerichtet, die die Versorgung der großen Kähne mit Strom via mit Schweröl betriebenen Schiffsdiesel am Liegeplatz betraf. In die Beschwerden eingebettet war u.a. der Vorschlag, die Stromversorgung während der Liegezeit landseitig zu betreiben, um die massive Ausstoß-Belastung deutlich zu reduzieren. Bisher blieb die politische Reaktion auf die Prüfung des Vorschlags begrenzt!

Zurück zur Autoindustrie:

Bei diesem Dreinhauen, seitens der USA und leider auch unserer Politiker, auf die deutsche Autoindustrie, eben dem wichtigen Wirtschaftszweig, beschleicht mich der Vergleich mit einem Teil der neueren Geschichte, nämlich mit den letzten Jahren vor dem zweiten Weltkrieg:

Im Zuge der Schwächung eines bedeutenden Wirtschaftszweiges eines starken Industrielandes ist nicht außer Acht zu lassen, dass hier möglicherweise ein anderer diese Schwächung für seine eigenen Vorteile nutzen möchte und wird.

Damals war u.a. die hochentwickelte Raketentechnologie ein neidvoller Dorn im Auge der USA und England. Die Forscher und Entwickler waren weltweit ganz vorne und eben auch begehrt.

Nach der Kapitulation bedienten sich die USA an technologierelevanten Personen wie Wernher von Braun – Sohn eines ostpreußischen Gutsbesitzers -, der maßgeblich damals in Peenemünde mitwirkte. Sie nahmen sie mit in die Staaten und nutzten deren Wissen.

Da kann ich mir diesmal auch gut vorstellen, dass ein Niedergang des Zweiges Diesel gerade den USA von Nutzen sein kann, um bei der Dieseltechnologie mithilfe deutschen Wissens große Schritte nach vorn zu machen. Nur dieses Mal geht eben kein konventioneller Krieg voraus. Also findet man andere Mittel und Wege zum Ziel. Frei nach dem Motto:

America first!

Ein Gedanke zu „Diesel im Rampenlicht der Politik und Medien“

  1. Was ich bei der ganzen „Diesel ist böse“-Debatte nicht verstehe: Alle wollen plötzlich Elektroautos fördern, ohne allerdings die Tanksituation zu verbessern. Es nützt wenig – bis gar nichts – wenn man zwar Stromtankstellen mehr und mehr errichten würde, aber an der Ladedauer nichts ändert. Ich kann doch nicht mehrere Stunden an einer „Zapfsäule“ stehen nur um danach weiter 200-300 Kilometer fahren zu können, im Winter eher weniger.
    Was allerdings funktionieren könnte – dafür muß man natürlich auch ein neues Tankstellennetz errichten – könnte Wasserstoff sein. Das Tanken ginge ähnlich schnell wie bei Benzin/ Diesel und die Reichweite wäre auch höher als derzeit im Akkubetrieb.
    Warum denkt denn niemand in diese Richtung?

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